
Warum jetzt also die Greizer Hütte? Nun ja, nüchtern gesagt: weil sie uns genommen haben. Manche Dinge fügen sich einfach, ohne dass es großer Anstrengung oder irgendwelcher herausragenden Leistungen bedarf. Manchmal hat man einfach Glück.

Anfangs war die Bewerbung an die Sektion Greiz eher ein beschnuppern, ob wir überhaupt bei irgendeiner Sektion ankommen, sprich eingeladen und nicht gleich wegen der vegetarischen Auslegung zu den Akten gelegt werden. Eigentlich war uns die Hütte zu groß, insgesamt 100 Schlafplätze, immerhin Materialseilbahn. Bei genauerer Recherche fanden wir heraus, dass die Vorpächter nach mehr als 30 Jahren aufgehört haben. Auch eher positiv, da wir nur dachten, ihnen sei es genug und sie begäben sich in den wohlverdienten Ruhestand. Nicht selten kommt es vor, dass Pächter und Sektion im Streit auseinander gehen. Darauf zu folgen ist wahrscheinlich etwas unangenehm.
Das Bewerbungsverfahren kam uns ziemlich rigide vor. Zu viel Änderung zum status quo schien nicht gewünscht und natürlich ist vegetarisch auch nicht wirklich fein. Das hatte zur Folge, dass wir unsere Bewerbung wieder zurück zogen. Immerhin wünschten wir uns etwas Gestaltungsfreiraum und gegenseitiges Vertrauen. Wir kamen uns aber etwas zu beobachtet und eingeschränkt vor.

Dann ging einige Zeit ins Land. Christian hatte keine Lust mehr auf Gastronomie und schrieb sich während der Wintersaison für ein Coding-Bootcamp ein. Also ein Intensivkurs, um das Programmieren zu lernen.
Zwei Tage nachdem die Kursgebühr überwiesen war, bekamen wir einen Anruf vom Date-Doktor für Hüttenwirtsleute. Ja, sowas gibt es, ein ehemaliger Hüttenwirt, der grandiose Arbeit als Coach für neue Hüttenwirtsleute leistet. Er unterstützt neue Wirtsleute, verknüpft Sektionen mit Pachtinteressierten und ist sonst, wo es geht, eine wahnsinnig hilfreiche Person. Der Vorstand der Sektion Greiz wäre interessiert an einem Gespräch, es gab Umstrukturierungen in der Sektion und man wolle gern noch einmal über die Bewerbung sprechen.
Tag darauf Telefontermin mit dem Vorstand der Sektion, kleine Befragung, Zusagen, dass die Sektion hinter uns stehe und das Angebot die Greizer Hütte im nächsten Sommer zu pachten. Wir waren überwältigt. Fast pünktlich zu Weihnachten geschah das, womit wir beinahe schon abgeschlossen hatten: eine Zusage!
So schnell ging es dann auch weiter, Verträge und Unterschriften wurden ausgetauscht, Kontakte hergestellt und Anrufe getätigt. Nachdem sich dieser anfängliche Wirbelwind im neuen Jahr etwas beruhigt hat kam es uns: jetzt haben wir die Sektion hinter uns aber was wenn die Gäste auf die Barrikaden gehen? Wir haben lange überlegt, komplett vegetarisch, vielleicht ein Fleischgericht auf der Karte oder einen Tag in der Woche mit Fleisch. Doch wir waren die Kompromisse leid. Immer noch etwas beschwipst von der Zusage entschieden wir uns dazu, es nach unserer Vorstellung und Überzeugung durchzuziehen: vegetarisch. Rückblickend ist es unglaublich, wie schäbig manche Menschen auf eine solche Kleinigkeit reagieren. Wir sind ein winzige Hütte im hinteren Zillertal, die Pforten der Hölle werden sich nicht auftun, wenn Hanswurst hier kein Schnitzel mehr essen kann. Zumal unsere Nachbaralmen in der Floite die wahrscheinlich ohnehin viel besser zubereiten können :)

Das Thema aus dem Weg kommt der nächste Anruf: Halies Großvater ist gestorben. Er war sehr alt und es war zu erwarten. Ihm war es wichtig, dass die Familie zu seiner Beisetzung anwesend ist. Leider wird er im Norden Miamis beigesetzt und wir sind auf 1.600m im Pongau. Obendrein mussten wir den Pachtvertrag noch handschriftlich unterzeichnen, schnellstmöglich nach Amerika kommen und pünktlich zur Hauptsaison wieder in Kleinarl sein.
So kam es nun, dass wir auf dem Weg zum Flughafen in München am späten Abend zu Beginn des neuen Jahres die Abfahrt Hofoldinger Forst nahmen. Dort wartete in der ersten Parkbucht nach der Abfahrt bereits der Sektionsvorstand mit dem Vertrag. Bei Minus fünf grad kritzelten wir auf der Motorhaube unsere Namen auf das Dokument, dass die nächste Station unserer Leben einleiten wird.
Nun starten wir bald in unsere vierte Saison als Pächter der Greizer Hütte und hätten uns unsere Anfänge nicht besser vorstellen können (außer totem Opa vielleicht).